Modul 1, Lektion 1
In Progress

Die Zeitformen (Teil 1)

Schauen wir uns in dieser Lektion die Zeitformen an. Werfen wir zuerst einen Blick auf alle Zeitformen der deutschen Sprache. Danach gehen wir auf die Vergangenheitsformen ein.

In diesem Video erläutere ich die Grafik genauer:

Die Vergangenheitsformen

In dieser Woche wollen wir uns hauptsächlich mit dem Perfekt und dem Präteritum beschäftigen. Beide Vergangenheitsformen haben die Funktion, eine abgeschlossene Handlung darzustellen. Während wir das Perfekt in der gesprochenen und der Alltagssprache anwenden, finden wir das Präteritum oft in geschriebenen Texten, wie in Zeitungen oder Büchern. Die Grenze ist aber nicht so einfach zu ziehen, da eine E-Mail meist ebenso in Perfekt geschrieben wird, da es sich hierbei um informelle oder halbformelle Texte handelt. Und das Präteritum kommt auch in der gesprochenen Sprache vor, wenn man zum Beispiel ’sein‘ und ‚haben‘ benutzt oder mit Modalverben arbeitet.

Wie funktionieren aber die beiden Zeitformen genau? Lass uns das hier nochmal kurz wiederholen:

Das Perfekt

Die Bildung vom Perfekt

Lass uns einen Satz im Präsens bilden.

01234Ende
IchesseeinenApfel.

Setzen wir diesen Satz nun in die Vergangenheit und wenden wir dafür die Zeitform Perfekt an, nehmen wir das Verb ‚haben‘ zur Hilfe. Das Verb ‚essen‘ wird als Partizip II in die Ende-Position geschoben.

01234Ende
IchhabeeinenApfelgegessen.
Hilfsverb ‚habenPartizip II

Das Partizip II

Erinnerst du dich an die drei Formen vom Partizip II? In diesem Video gehe ich darauf nochmal ein:

Je nachdem, ob ein Verb regelmäßig, unregelmäßig ist oder auf ‚–ieren‘ endet, wird das Partizip anders gebildet.

Bei regelmäßigen Verben gilt die Regel ge + Verbstamm + t. Somit wird aus dem Verb ‚lernen‘ das Partizip II ‚gelernt‘.

Die PartizipII-Form von unregelmäßigen Verben kannst du in einer Liste nachschlagen. Am Besten lernst du sie immer direkt dann mit, wenn du ein neues Verb in deinen Wortschatz aufnimmst.

Lass uns die wichtigsten unregelmäßigen Verben wiederholen. Ich habe dir hier eine Liste mit den unregelmäßigen Verben vorbereitet:

Unregelmäßige Verben

Liste der unregelmäßigen Verben in Präteritum & Perfekt (PDF-Download)

Die 54 wichtigsten unregelmäßigen Verben

Welche Verben kennst du schon aus dem Kopf? Welche Verben musst du zuerst nachschlagen?

Lass dir Zeit, die unregelmäßigen Verben von der Liste zu lernen. Am Besten du übernimmst diese Vokabeln in deine Vokabelkarten, deine Vokabel-App oder deine kreative Lernmethode.

Versuche die Aufgaben dieser Lektion ohne die Liste zu lösen. Wenn du die Felder nicht richtig ausfüllst, kannst du die Aufgabe einfach wiederholen.

Endet ein Verb auf ‚–ieren‘ (wie fotografieren, studieren, probieren, und so weiter) wird das ge für gewöhnlich beim Partizip II nicht genutzt. Zum Beispiel wird also aus dem Verb ‚fotografieren‘ im Partizip II schlicht ‚fotografiert‘.

Es gibt aber Ausnahmen. Die einsilbigen Verben ’schmieren‘ und ‚gieren‘ werden im Partizip II zu ‚geschmiert‘ und ‚gegiert‘. Hier wird diese Regel also ignoriert.

Schauen wir uns jetzt noch die trennbaren und untrennbaren Präfixe an.

Bei trennbaren Verben wie dem regelmäßigen ‚einkaufen‘ oder dem unregelmäßigen ‚einfahren‘ stellen wir das Präfix schlicht vor die PartizipII-Form des zugrundeliegenden Verbs:

einkaufen–>eingekauft
einfahren–>eingefahren

Bei untrennbaren Verben gilt, dass das Präfix nicht von dem Verbstamm getrennt werden darf. Das heißt also auch, dass sich kein ‚ge‘ beim PartizipII zwischen Präfix und Verbstamm setzen darf. Somit ergibt sich folgendes:

verkaufen–>verkauft
verfahren–>verfahren

sein oder haben?

Wann benutzt man aber nochmal das Hilfsverb sein? Schau dir hier meine Erklärung dazu im Video an:

Wir benutzen also in den meisten Fällen das Hilfsverb ‚haben‘. Bei drei Begebenheiten wechseln wir zum Hilfsverb ’sein‘:

1Veränderung der PositionIch bin nach Berlin gefahren.
Du bist ganz alleine bis nach Amerika gesegelt?

(Aber auch möglich: Was habt ihr am Wochenende gemacht? Wir haben gesegelt. <– Hier steht die Veränderung der Position nicht in der Aussage.)
2seinIch bin in Berlin gewesen.
Er ist an Karneval Harry Potter gewesen.
3Veränderung des ZustandsIch bin aufgewacht. (schlafend –> wach)
Er ist gestorben. (lebendig –> tot)
Das Eis ist geschmolzen. (fest –> flüssig)

Das Präteritum

Allgemeines zum Präteritum

Setzen wir nun den Satz aus unserem ersten Beispiel ins Präteritum ergibt sich dieser hier:

01234Ende
IcheinenApfel.

Während die Präteritumform von ‚essen‘ noch geläufig ist, stoßen selbst Muttersprachler bei den unregelmäßigen Verben an ihre Grenzen. Sehr oft wird deshalb das Präteritum in der gesprochenen Sprache nicht verwendet. In der Schriftsprache hilft es uns aber, da wir damit Sätze kürzer und prägnanter bilden können, indem wir nur das Verb in Position 2 abändern müssen.

Wir nutzen das Präteritum in der gesprochenen Sprache in folgenden Situationen regelmäßig:

1sein & habenSie war eine Studentin.
Wir hatten Urlaub.
2ModalverbenKinder, ihr solltet doch die Küche aufräumen!
Ich konnte früher gut Gitarre spielen.
3es gibtEs gab im Hotel ein fabelhaftes Frühstück.

Verbkonjugation im Präteritum

Nehmen wir hierfür nochmal das regelmäßige Verb ‚lernen‘ und schauen wir uns an, wie es in der ersten und der dritten Person Singular aussieht:

lernen (Präteritum)
ichlernte
er
sie
es
lernte

Wie du siehst, gilt bei beiden Personen im Singular die Formel ‚Verbstamm + te‚. Es muss nicht weiter konjugiert werden. Bei allen anderen Personen wenden wir mit diesem neuen Verbstamm die selbe Konjugation an, die wir schon aus dem Präsens kennen:

lernen (Präteritum)
ichlernte
dulerntest
er
sie
es
lernte
wirlernten
ihrlerntet
sielernten

Das gilt auch bei unregelmäßigen Verben wie ‚essen“:

essen (Präteritum)
ich
dut
er
sie
es
wiren
ihrt
sieen

Die 54 wichtigsten unregelmäßigen Verben im Präteritum

Gehen wir nochmal auf die unregelmäßigen Verben von vorhin ein. Kannst du die Präteritum-Version oder musst du sie nachschlagen?

Tabelle der unregelmäßigen Verben (A1-C2) - unregelmaeßige-Verben (PDF)